Lange wusste ich nicht, welchen Film ich an die Spitze meiner persönlichen Liste der besten Filme 2025 setzen sollte. Am Ende musste ich den Sieger – zum Glück – aber doch nicht erwürfeln. Denn „Heldin“ hat mich von der ersten bis zur letzten Minute derart getroffen, dass mir die Wahl schlussendlich so leicht wie selten zuvor fiel.
Das Drama, das einem kaum Zeit zum Durchatmen lässt und sich so schließlich fast noch mehr wie ein Thriller anfühlt, begleitet eine Pflegefachfrau (absolut grandios: Leonie Benesch) durch einen Nachtdienst – und stellt dabei nicht einfach nur das Systemversagen im Gesundheitswesen ins Rampenlicht, sondern verleiht diesem in Form eines persönlichen Charakterdramas unbändige emotionale Wucht. Und zwar eben nicht, weil dieses so außergewöhnlich ist, sondern weil es – ganz im Gegenteil – einen authentischen Alltag schildert, der einen die höchsten Hochs, die tiefsten Tiefs und ganz viel dazwischen fühlen lässt.
Mit „Nachbeben“ steht nun das dänische Pendant zu „Heldin“ im Heimkino ins Haus. Nachdem der Film am 7. Mai 2026 seinen deutschen Kinostart feierte, erscheint er am 25. September auf DVD und Blu-ray. Neben den physischen Versionen auf DVD und Blu-ray gibt es das erschütternde Alltagsporträt mit unter anderem Trine Dyrholm („Who Am I?“, „Königin“) natürlich auch digital im Stream, etwa bei Amazon Prime Video*.
Aber lohnt sich die dänische Antwort auf den deutschen Ausnahme-Film, der als Koproduktion schließlich jedoch für die Schweiz ins letztjährige Oscarrennen geschickt wurde? Ja, durchaus. Tatsächlich fühlt sich „Nachbeben“ wie „Heldin 2.0“ an – auch wenn er in der zweiten Hälfte dann doch den Kürzeren zieht…
Nach "Heldin" kommt "Nachbeben"
Özlem Sağlanmak spielt die Protagonistin Alexandra, die auf der unterbesetzten Schlaganfallstation eines dänischen Krankenhauses arbeitet – und die vielleicht härteste Schicht ihres Lebens antritt. Denn während sie unter anderem einer Frau das Leben rettet und sich der ewigen Dankbarkeit ihres Sohnes gewiss sein kann, unterschätzt sie die Symptome des 18-jährigen Oliver (Jacob Spang Olsen). Als sie den Teenager nach einer oberflächlichen Erstdiagnose wieder nach Hause schickt, ahnt sie jedoch nicht, dass sie ihn schon bald wiedersehen – und wohl nie wieder vergessen – wird…
Von seinem „Day in the Life“-Ansatz über seinen Schauplatz bis hin zur Kamera, die der Protagonistin über weite Strecken auf Schritt und Tritt folgt und einen damit in die undankbare Position einer*s machtlosen Beobachter*in versetzt: Wer „Heldin“ gesehen hat, wird viele Elemente aus dem unter anderem mit vier Schweizer Filmpreisen (u.a. als bester Film) ausgezeichneten Werk in „Nachbeben“ wiedererkennen.
Gerade die erste Hälfte des Films zeigt jedoch: Wenn die Story glaubhaft und packend aufgezogen ist, macht das gar nichts. Auch wenn man vieles bereits im vergangenen Jahr im Kino präsentiert bekam, schadet eine Auffrischung eines so wichtigen Stoffes nicht, sondern kann immer noch aufwühlen, mitreißen und sprachlos machen.
Lebt das Ganze zu Beginn noch vom Drehbuch, das selbst in unscheinbaren Momenten voll ins Schwarze trifft – etwa wenn der neuen Ärztin geraten wird, ihren Lipgloss zu entfernen, damit man sie nicht für eine Pflegekraft hält, oder wenn am Pausentisch darüber gewitzelt wird, was der Unterschied zwischen Gott und einem Arzt sei –, entgleitet Regisseurin Zinnini Elkington ihre Geschichte gegen Ende zusehends. Das geht sowohl auf Kosten von Authentizität und Spannung als auch zu Lasten von Hauptdarstellerin Özlem Sağlanmak.
Sie macht ihre Sache zwar hervorragend, kommt aber nicht dagegen an, dass ihre Figur zum Ende hin etwas zu sehr zur unsympathischen Egoistin verkommt – nur um in einer leider ziemlich kitschigen Schlusseinstellung doch noch die Kurve zu kriegen. Diese Rechnung geht leider nicht ganz auf. Die ersten 45 Minuten sind dennoch unfassbar intensiv – und der Film auch so immer noch sehenswert. Nur eben kein ganz so konsequentes Brett wie „Heldin“.