
In der Nacht zum Dienstag wurden in Los Angeles die 78. Primetime Emmy Awards in einer weltweit übertragenen Galaveranstaltung verliehen – in Deutschland übernahm einmal mehr MagentaTV die Ehre. Durch die Show führte „Law & Order: Special Victims Unit“-Hauptdarstellerin Mariska Hargitay.
Hintergründe
Hargitay ist seit Jane Lynch (2011) die erste weibliche Gastgeberin in mehr als zehn Jahren. Vor etwas mehr als einer Woche konnte Hargitay selbst bereits zwei Emmys in Empfang nehmen: Für die Dokumentation „My Mom Jayne“ (dt: „Meine Mutter Jayne Mansfield“ über ihre Mutter Jayne Mansfield; 1933–1967) von HBO wurde sie als Regisseurin und mit den Produzenten ausgezeichnet.
Über der Emmy-Verleihung hing und hängt als Schatten, dass nach der diesjährigen Zeremonie unklar ist, wo die 79. Primetime Emmy Awards ausgestrahlt werden: Der jüngste Vertrag mit dem (Free-TV-)Sender-Quartett ABC, CBS, FOX und NBC wurde bisher nicht verlängert. Für die Sender ist es in den letzten Jahren zunehmend unvorteilhaft gewesen, dass ihre Formate selten ausgezeichnet werden und man unbezahlte Werbung fürs Streaming/Pay-TV wie Netflix, HBO und nun Apple TV macht. Andere Preisverleihungen wandern ins Streaming: Die Oscars werden zu YouTube gehen (fernsehserien.de berichtete), die von der Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA ausgelobten „The Actor Awards“ laufen bei Netflix.
Kurzfassung: Die Gewinner und Rekorde des Abends
Mit 12 offenen Nominierungen war „The Pitt“ aussichtsreich in den Abend gegangen, an dem 19 Emmys zu vergeben waren, gefolgt von den Comedys „Hacks“ und „Widow’s Bay“ (je 7) und dem Drama „Pluribus“ (6). Vorab war klar, dass es für „The Pitt“ jedoch ein schweres Rennen würde, da man in den Schauspielerkategorien oft mehrfach vertreten war. Am Ende blieben zwei Emmys (Dramaserie und Hauptdarsteller Noah Wyle) übrig.
Gewinner des Abends war deutlich „Widow’s Bay“ mit sechs Emmys, was die Ernte dieses Jahr auf insgesamt 14 brachte: Ein neuer Rekord für eine Comedyserie, womit man „The Studio“ (13 Emmys) aus dem letzten Jahr um eine Auszeichnung geschlagen hat. Emmys gab es als Comedyserie, für Hauptdarsteller Matthew Rhys, für beide Nebendarsteller-Kategorien, Drehbuch und Regie (jeweils für den Serienauftakt). Doppelte Freude für Matthew Rhys: Er wurde in der Nacht Doppelgewinner, denn auch für die Netflix-Miniserie „The Beast in Me“ wurde er als Hauptdarsteller geehrt.
„Hacks“ konnte gegen diese Übermacht im Comedy-Bereich nur einen Emmy holen: Jean Smart wurde für die fünfte Staffel zum fünften Mal als Comedy-Hauptdarstellerin ausgezeichnet und stellte dabei einen ewigen Rekord ein: Es war ihr achter Emmy als Comedydarstellerin, womit sie zu Julia Louis-Dreyfus und Cloris Leachman aufgeschlossen hat; neben „Hacks“ hatten Gastauftritte beim kurzlebigen „Samantha Who?“ sowie zwei Ehrungen für „Frasier“-Gastauftritte ihr Auszeichnungen eingebracht. Ein Nebendarstellerinnen-Emmy für „Diplomatische Beziehungen“ brachte Allison Janney ebenfalls ihren achten Emmy ein (nach zwei Nebendarsteller- und zwei Hauptdarsteller-Emmys für „The West Wing“, zwei Nebendarsteller-Emmys für „Mom“ und einem Gastdarsteller-Emmy für „Masters of Sex“).
„Pluribus“ holte zwei Emmys und brachte damit den zuvor verschmähten „Better Call Saul“-Kollegen Rhea Seehorn (Hauptdarstellerin) und Vince Gilligan (Drehbuch) Emmys.
Zum Abschluss der Emmys konnte sich „The Late Show With Stephen Colbert“ als Beste Variety-Show auch den letzten „Late-Night-Emmy“ sichern.
Insgesamt hatte Apple TV mit 28 Emmys in diesem Jahr die Nase deutlich vor HBO/HBO Max mit 19 Emmys und Netflix mit 16 Emmys vorne. Erster Free-TV-Anbieter auf Platz 4 ist NBC, aber die kommen allesamt (!) durch die „Apple Music Super Bowl LX Halftime Show Starring Bad Bunny“.
Pech und Snubs
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Regisseurin Salli Richardson-Whitfield (deutschen Fernsehzuschauern durch die Sci-Fi-Comedy „EUReKA – Die geheime Stadt“ bekannt) war mit zwei Nominierungen in den Abend gegangen (für ihre Arbeit bei „The Gilded Age“ und „Task“), ging aber im Gegensatz zu Schauspieler Matthew Rhys leer aus. Mehr eine Fun-Fact-Beobachtung als ein Snub: Auch Rhys’ Ehefrau Keri Russell war als „Diplomatische Beziehungen“-Hauptdarstellerin und Produzentin der Serie doppelt im Rennen, ging aber ohne Emmy nach Hause – für sie waren es insgesamt die siebte und achte unerfüllte Emmy-Nominierung (drei für „The Americans“ und nun fünf für „Diplomatische Beziehungen“).
Erwähnt wurden bereits die Mehrfachnominierungen in einzelnen Kategorien für „The Pitt“ – trotzdem gingen die Emmys für bestes Drehbuch (2 parallele Nominierungen), Nebendarsteller (3) und Nebendarstellerin (4) an andere Serien. Insbesondere bei den Nebendarstellerinnen war Vorjahressiegerin Katherine LaNasa als Favoritin gehandelt worden. Generell: Bei den Emmys bewerben sich Personen und Sendungen selbst (mit zu entrichtender „Bearbeitungsgebühr“ und einzureichender Arbeitsproben). Häufiger wurde das Thema diskutiert, dass Mehrfachnominierungen in einer Kategorie dazu führen könnten, dass Fans der Serie unter den Wählenden dadurch ihre Abstimmung eventuell „verwässern“ („splitting the vote“). In diesem Jahr hatte die Produktion von „The Pitt“ etwa nicht vorgesehen, Brittany Allen als Gastdarstellerin ins Rennen zu schicken, die das daraufhin selbst in die Hand nahm und eine Nominierung erhielt – neben zwei weiteren „The Pitt“-Darstellerinnen (der Emmy ging dann an Shailene Woodley für „Paradise“).
Wer nochmal tiefer in die Nominierungen eintauchen möchte und sich fragt, warum manche Topserie gar nicht antreten durfte, kann das nochmal im Artikel zu den Nominierungen nachvollziehen (fernsehserien.de berichtete).
Die Nominierten und Gewinner der 78. Primetime Emmy Awards
Beste Comedyserie
- „Abbott Elementary“
- „The Bear“
- „Hacks“
- „Margo’s Got Money Troubles“ (aka „Only Margo“)
- „Nobody Wants This“
- „Only Murders in the Building“
- „Shrinking“
- GEWINNER: „Widow’s Bay“
Beste Dramaserie
- „The Diplomat“ (aka „Diplomatische Beziehungen“)
- „The Gilded Age“
- „A Knight of the Seven Kingdoms“
- „Paradise“
- GEWINNER: „The Pitt“
- „Pluribus“
- „Slow Horses“
- „Your Friends and Neighbors“
Beste Mini- oder Anthologieserie
Beste Reality-Competition
Beste Variety-Show
(Anmerkung: Dieses Jahr zusammengelegt aus den bisherigen, teilnehmerschwachen Kategorien „Talkshow“ und „Scripted-Variety-Show“)
- „The Daily Show“ (Comedy Central)
- „Jimmy Kimmel Live!“ (ABC)
- „Last Week Tonight with John Oliver“ (HBO)
- GEWINNER: „The Late Show With Stephen Colbert“ (CBS)
- „Saturday Night Live“ (NBC)
Bester Hauptdarsteller in einer Comedyserie
- Yahya Abdul Mateen II; „Wonder Man“
- Steve Carell; „Rooster“
- GEWINNER: Matthew Rhys; „Widow’s Bay“
- Jason Segel; „Shrinking“
- Martin Short; „Only Murders in the Building“
Beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie
- Quinta Brunson; „Abbott Elementary“
- Ayo Edebiri; „The Bear“
- Elle Fanning; „Margo’s Got Money Troubles“
- Lisa Kudrow; „The Comeback“
- GEWINNERIN: Jean Smart, „Hacks“
Bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie
- Sterling K. Brown; „Paradise“
- Gary Oldman; „Slow Horses“
- Mark Ruffalo; „Task“
- Rufus Sewell; „The Diplomat“
- GEWINNER: Noah Wyle; „The Pitt“
Beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie
- Carrie Coon; „Gilded Age“
- Chase Infiniti; „The Testaments“
- Keri Russell; „The Diplomat“
- GEWINNERIN: Rhea Seehorn; „Pluribus“
- Zendaya, „Euphoria“
Bester Hauptdarsteller in Miniserie / Film
- Riz Ahmed; „Bait“
- Jason Bateman; „Black Rabbit“
- Charlie Hunnam; „Monster: The Ed Gein Story“
- Oscar Isaac; „Beef“
- GEWINNER: Matthew Rhys; „The Beast in Me“
Beste Hauptdarstellerin in Miniserie / Film
- Claire Danes; „The Beast in Me“
- GEWINNERIN: Sally Field; „Remarkably Bright Creatures“
- Carey Mulligan; „Beef“
- Sarah Pidgeon; „Love Story“
- Sarah Snook; „All Her Fault“
Bester Nebendarsteller in einer Comedyserie
- Colman Domingo; „The Four Seasons“
- Paul W. Downs; „Hacks“
- Harrison Ford; „Shrinking“
- Nick Offerman; „Margo’s Got Money Troubles“
- GEWINNER: Stephen Root; „Widow’s Bay“
- Michael Urie; „Shrinking“
- Tyler James Williams; „Abbott Elementary“
Beste Nebendarstellerin in einer Comedyserie
- Dale Dickey; „Widow’s Bay“
- Hannah Einbinder; „Hacks“
- Janelle James; „Abbott Elementary“
- GEWINNERIN: Kate O’Flynn; „Widow’s Bay“
- Michelle Pfeiffer; „Margo’s Got Money Troubles“
- Megan Stalter; „Hacks“
- Jessica Williams; „Shrinking“
Bester Nebendarsteller in einer Dramaserie
- Patrick Ball; „The Pitt“
- Billy Crudup; „The Morning Show“
- Shawn Hatosy; „The Pitt“
- Gerran Howell; „The Pitt“
- Jack Lowden; „Slow Horses“
- GEWINNER: Tom Pelphrey; „Task“
- Carlos-Manuel Vesga; „Pluribus“
Beste Nebendarstellerin in einer Dramaserie
- Taylor Dearden; „The Pitt“
- Fiona Dourif; „The Pitt“
- GEWINNERIN: Allison Janney; „The Diplomat“
- Katherine LaNasa; „The Pitt“
- Sepideh Moafi; „The Pitt“
- Julianne Nicholson; „Paradise“
- Karolina Wydra; „Pluribus“
Beste Regie in einer Comedyserie
- „Abbott Elementary“ für Folge: „Ballgame“ – Randall Einhorn (ABC)
- „The Bear“ für Folge: „Bears“ – Christopher Storer (FX)
- „The Chair Company“ für Folge: „Life goes by too f**king fast, it really does.“ – Andrew DeYoung (HBO)
- „Hacks“ für Folge: „Hacks“ – Lucia Aniello (HBO Max)
- „The Ms. Pat Show“ für Folge: „Give It Arrest“ – Mary Lou Belli (BET+)
- GEWINNER: „Widow’s Bay“ für Folge: „Welcome to Widow’s Bay!“ – Hiro Murai (Apple TV)
Beste Regie in einer Dramaserie
- „The Gilded Age“: „My Mind Is Made Up“ – Salli Richardson-Whitfield (HBO)
- „Paradise“ für Folge: „Exodus“ – Hanelle Culpepper (Hulu)
- „The Pitt“ für Folge: „12:00 P.M.“ – Noah Wyle (HBO Max)
- „Pluribus“ für Folge: „We Is Us“ – Vince Gilligan (Apple TV)
- GEWINNER: „Slow Horses“ für Folge: „Scars“ – Saul Metzstein (Apple TV)
- „Task“ für Folge: „Out beyond ideas of wrongdoing and rightdoing, there is a river.“ – Salli Richardson-Whitfield (HBO)
Bestes Drehbuch für eine Comedyserie
- „Abbott Elementary“ für Folge: „Team Building“ – Quinta Brunson (ABC)
- „The Chair Company“ für Folge: „Life goes by too f**king fast, it really does.“ – Tim Robinson and Zach Kanin (HBO)
- „The Comeback“ für Folge: „Valerie Does It All“ – Michael Patrick King and Lisa Kudrow (HBO)
- „Hacks“ für Folge: „Hacks“ – Lucia Aniello, Paul W. Downs, and Jen Statsky (HBO Max)
- „Jury Duty Presents: Company Retreat“ für Folge: „Mergers and Acquisitions“ – Anthony King (Prime Video)
- GEWINNER: „Widow’s Bay“ für Folge: „Welcome to Widow’s Bay!“ – Katie Dippold (Apple TV)
Bestes Drehbuch für eine Dramaserie
- „The Diplomat“ für Folge: „Amagansett“ – Peter Akerman and Debora Cahn (Netflix)
- „The Pitt“ für Folge: „1:00 P.M.“ – Kirsten Pierre-Geyfman and R. Scott Gemmill (HBO)
- „The Pitt“ für Folge: „12:00 P.M.“ – Valerie Chu (HBO)
- GEWINNER: „Pluribus“ für Folge: „We Is Us“ – Vince Gilligan (Apple TV)
- „Slow Horses“ für Folge: „Scars“ – Will Smith (Apple TV)
- „Task“ für Folge: „A Still Small Voice“ – Brad Ingelsby (HBO)
Übersichtslisten
Die folgenden Übersichtslisten fasst die Gewinner aller Emmy-Zeremonien zusammen, also die Galaveranstaltung und die Creative Arts Emmy (Gewinnerliste) von vor etwas mehr als einer Woche.
Programme mit mindestens zwei Emmy-Auszeichnungen
- „Widow’s Bay“ – 14
- „The Apple Music Super Bowl LX Halftime Show Starring Bad Bunny“ – 7
- „DTF St. Louis“ – 7
- „The Traitors“ – 7
- „The Late Show With Stephen Colbert“ – 6
- „The Pitt“ – 6
- „Pluribus“ – 6
- „Spider-Noir“ – 5
- „The Muppet Show“ – 4
- „Beef“ – 3
- „Love On The Spectrum“ – 3
- „Margo’s Got Money Troubles“ – 3
- „Palm Royale“ – 3
- „The Beast In Me“ – 2
- „Bridgerton“ – 2
- „Fallout“ – 2
- „Genndy Tartakovsky’s Primal“ – 2
- „Hacks“ – 2
- „My Mom Jayne: A Film By Mariska Hargitay“ – 2
- „Ocean With David Attenborough“ – 2
- „Remarkably Bright Creatures“ – 2
Plattformen mit mindestens zwei Emmy-Auszeichnungen
- Apple TV – 28
- HBO Max – 19
- Netflix – 16
- NBC – 7
- Peacock – 7
- CBS – 6
- MGM+/Prime Video – 5
- Prime Video – 5
- Disney+ – 4
- FX/Hulu – 3
- National Geographic – 3
- Adult Swim – 2
- Comedy Central – 2
- PBS – 2
- YouTube – 2